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"fine-tuning" einer Profiler-Spindel

Fragen, Erfahrungen und Tipps – von Lesern für Leser

Postby pk1 » Sun Jan 17, 2010 12:00 am

Fine-tuning der Profiler-Spindel am Beispiel der Y-Achse

Eine freie und ergänzte Übersetzung einer Anleitung von Juraj Vignjevic, Colinbus


Es gibt immer einen Satz von zwei zentrischen und einer exzentrischen Rolle, die dazu benutzt wird, um einen Andruck auf dem Führungsprofil zu erreichen. Die Exzenterrolle kann auf zwei Arten an ihrem Platz montiert werden. Einmal so, dass beim Verdrehen des kleinen dreieckigen Justierbleches zu einer Seite der Exzenterteil der Rolle in Richtung zu den zentrischen Rollen, oder von ihnen weg bewegt wird. Logischerweise ist es nicht sinnvoll, durch Verdrehen dieses Bleches den Andruck der Exzenterrolle zu verringern, der Andruck muss verstärkt werden können.
Wenn das nicht gelingt, bedeutet das, dass entweder die Platte oder die Rolle um 180° gedreht werden müssen.
Die zentrischen Rollen müssen fest angeschraubt sein, bevor Sie anfangen, die Exzenterrolle zu justieren, sonst fehlt das Gegenlager für einen Andruck.
Verwenden Sie den mitgelieferten Blechschlüssel, um beim Festziehen der Schrauben ein Verdrehen der Rollen zu verhindern. Wenn man das Andruck-Justierblech verschiebt, darf die Exzenterrolle noch nicht festgeschraubt sein. Anderenfalls ist eine Einstellung nicht möglich.
Sobald Sie mehr Andruck eingestellt haben, verriegeln Sie das Justierblech mit der kleinen Sicherungsschraube und schrauben Sie dann die Exzenterrolle fest. Jetzt können Sie prüfen, ob genügend Andruck während einer Hin- und Herbewegung des Portals vorhanden ist. Wenn das Resultat in Ordnung ist, ist die Justage abgeschlossen, anderenfalls lösen Sie die Exzenterrolle und die Justierblechschraube und verstärken den Andruck wie oben beschrieben. Wiederholen Sie diese Schritte, bis bei festgezogenen Schrauben alle Rollen genügend Andruck haben und sich das Portal noch leicht von Hand verschieben lässt. Keine Rolle darf bei dieser Bewegung mit einem Finger blockiert werden können und dabei über die Schiene rutschen.

Die wichtigste Grundlage für eine Feineinstellung ist die Nylatron-Spindelmutter.
Prüfen Sie, ob das Schraubengewinde der Spindel und das Schraubengewinde der Mutter genau zusammen passen.
Überprüfen und kontrollieren Sie doppelt, ob die Spindel absolut gerade ist. Wenn nicht, wird die Maximalgeschwindigkeit der Fräse verringert und die Vibration erhöht. Auch die Schnittgeschwindigkeit leidet unter einer nicht geraden Spindel.

Schmieren Sie die Spindel mit reichlich Fett, das Sie durch vielfaches Bewegen der Spindelmutter gleichmäßig in allen erreichbaren Gewindegängen verteilen.

Befestigen Sie erst dann die zwei Bolzen für die Spindelmutter auf dem Portal. Ziehen Sie die Bolzen fest an. Die Position dieser Bolzen legt alle weiteren Positionen der Spindel an deren Enden fest, also an der Motorseite und der Kugellagerseite.

Fahren Sie das Portal ans Kugellager-Ende der Spindel und stecken Sie die Gewindemutter mit eingeschraubter Spindel und aufgestecktem Kugellager einschließlich Lagergehäuse auf die Bolzen. Dadurch legen Sie die korrekte Position des Kugellagers im Lagergehäuse fest. Ziehen Sie jetzt die drei Befestigungsschrauben des Gehäuses schrittweise rundum gleichmäßig fest.

Entsprechend wird auf der Motorseite die richtige Lage der Motorbefestigung gefunden: Der Motor wird über das Kupplungsteil mit der Spindel fest verbunden. Dabei darf die Kupplung das Motorgehäuse nicht berühren (1 mm Abstand). Die Motorbefestigungen sind noch nicht angezogen. Mit Colidrive (oder per Hand) fahren Sie das Portal auf die Motorseite. Die Spindelmutter zentriert jetzt die Motorlage. Beim Anziehen der Motorbefestigungen achten Sie darauf, dass kein Verkanten auftritt, so dass beim Verfahren des Portals entlang der Spindel weder Reibungserhöhung an den Spindelenden, noch ein Verschieben der Spindelmutter entlang der Bolzen auftritt.

Auch diese Schritte können Sie wiederholen, bis das Ergebnis zufriedenstellend ist.

Starten Sie Colidrive und schreiben Sie im Editorfenster ein kleines Endlosprogramm, das die Y-Achse von 0 bis 7000 und wieder zurück bewegt.

PA 0, 7000 (ca. 17 cm)
PA 0,0

Stellen Sie die Datenübertragung zur Fräse her und stellen Sie die Anzahl der Wiederholungen auf z.B. 10 oder 20 ein.
Das Portal fährt jetzt jeweils 17 cm vor und zurück. Während dieser Fahrten können Sie eine Feineinstellung der Motorbefestigung vornehmen, wenn Sie diese durch seitliches Schrägstellen der Fräse um 45° erreichbar gemacht haben.
Achten Sie unbedingt auf eine ausreichende Sicherung dieser labilen und gefährlichen Lage.
Wichtig ist, dass die einzustellende Achse waagerecht bleibt. Wenn Sie über zwei gleich hohe stabile Tische verfügen, können sie mit der Fräse eine „Brücke“ zwischen diesen herstellen und die Einstellungen von unten leichter vornehmen. Auch hier droht Gefahr: Die Fräse fällt im Unglücksfall jetzt nicht auf Ihren Arm, sondern auf Ihren Kopf.
Bei der Einstellung des Motorträgers helfen der Tastsinn und das Gehör, die Schwingungen während des Laufes zu minimieren.
Wenn Sie die Verfahrgeschwindigkeit in Colidrive schrittweise erhöhen, tasten Sie sich an die Blockiergrenze dieser Achse heran, die Sie durch Feineinstellung der Motorbefestigung erhöhen können. Ohne Last können durchaus 90 mm/sec erreicht werden. Wenn Sie später im Schnellgang mit 60 mm/sec fahren, haben Sie noch Reserven für die kältere Jahreszeit, in der das Schmierfett eine höhere Reibung erzeugt.

Das Verfahren ist für die X-Achse prinzipiell gleich.

Stellen Sie unbedingt sicher, dass bei allen beschriebenen Handlungen die Spindeln unversehrt bleiben. Eine verbogene Spindel ist kaum wieder zu richten und verhindert jeden Erfolg bei Ihren Bemühungen.


(pk1)
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Postby pk1 » Tue Jan 26, 2010 12:00 am

Ein kleiner Nachtrag aus eigener Sicht:

Mir erscheint es sinnvoll zu sein, mit der Spindeljustage auf der Motorseite zu beginnen, da dort die geringsten Verschiebemöglichkeiten für die Motorbefestigung bestehen, sofern nicht die Bohrungen in der Motorträgerplatte vergrößert wurden ( war seinerzeit ein Vorschlag von zuzuzu ). Erst danach kommt die Kugellagerseite dran. Hier ist sehr viel mehr Spielraum in allen Richtungen quer zur Spindelachse vorhanden, was ich anfangs für eine Produktionspanne (Wurfpassung mit sehr viel Luft) hielt, sich später aber als Notwendigkeit herausstellte - nicht besonders elegant, aber einfach und wirksam.

Um an beiden Y-Spindelenden der gleichen Abstand zur Bodenplatte zu erhalten, habe ich einen leicht keilförmig geschliffenen Hartholzblock verwendet, der zur Einstellung und späteren Kontrolle an beiden Enden der Spindel gleich weit zwischen Spindel und Bodenplatte geschoben werden muss.
Die seitliche Ausrichtung wird, wie im Beitrag von Juraj beschrieben wurde, von der Spindelmutter in ihren Gleitbolzen erledigt.

Gruß

Peter
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